Veröffentlicht als: Zwischenbericht der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Nachhaltiges Geld.

Autoren: Christoph Freydorf, Christian Kimmich, Thomas Koudela, Ludwig Schuster und
Ferdinand Wenzlaff.

Zusammenfassung

Dieser Beitrag untersucht ökonomische Wachstumsnotwendigkeiten anhand der Funktionsweise der gegenwärtigen Geldwirtschaft im zweistufigen Bankensystem sowie anhand eines bestands- und flussgrößenkonsistenten Modells. Ergebnis des Modells ist, dass die Funktionsweise der Geldwirtschaft wirtschaftliches Wachstum bedingt. Die „Notwendigkeit von Wachstum“ ist dabei als These zu verstehen, dass mittelfristig ohne Wachstum kein sozial-ökonomisches Gleichgewicht möglich ist. Diese ökonomische Wachstumsnotwendigkeit ergibt sich dabei nicht aus der Geldwirtschaft an sich – und auch nicht alleine aus einem positiven Zinsniveau für Kredite -, sondern aus der Kombination von einkommensabhängiger Sparquote und Liquiditätspräferenz. Weil ökologische Nachhaltigkeit gesellschaftlich kaum umsetzbar sein wird, wenn durch die Beschränkung Krisen verursacht und Verteilungskonflikte verschärft werden, muss ökologisch motivierte Wachstumskritik beachten, dass ihre Forderungen nur im Rahmen sozial-ökonomischer Nachhaltigkeit sinnhaft und dauerhaft realisierbar werden. Liegt eine monetär bedingte Wachstumsnotwendigkeit zur Aufrechterhaltung sozial-ökonomischer Stabilität vor, erwächst für die Wirtschaftswissenschaft die Aufgabe, in ihren Modellen und Analysen dem besonderen Charakter der Geldwirtschaft stärker Rechnung zu tragen um erklären zu können, warum und wie genau Volkswirtschaften ohne Wachstum in die Krise geraten. Und um darauf aufbauend Wege zu einer nachhaltige Geld- und Finanzarchitektur aufzuzeigen, welche die ökologische Forderung nach weniger, Null- oder Negativ-Wachstum einzulösen erlaubt.

Die Studie entstand aus Anlass der Einsetzung der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ durch den Deutschen Bundestag. Wichtige inhaltliche Hinweise verdanken wir den Teilnehmern des Symposiums „Geld & Nachhaltigkeit“, das am 30. und 31. März 2012 in Berlin zur Diskussion des vorläufigen Zwischenberichts stattfand. Der Bericht gibt den Arbeitsstand zum 1. Mai 2012 wieder und zeigt weiteren Forschungsbedarf auf.